Ein Beitrag von Birgit Seiberl
Rückenschmerzen sind kein Schicksal – sie sind ein Hilferuf deines ganzen Seins
Hand hoch: Wer kennt das Gefühl von Verspannungen, Spannungskopfschmerzen und Rückenschmerzen?
Vermutlich fast jede:r. Studien sprechen von über 80 % der Bevölkerung. Viele leben einfach damit – bewusst oder unbewusst. Sie denken, es sei normal, verspannt zu sein. Doch jede Verspannung und jeder Rückenschmerz ist ein Signal deines Körpers, das leider viel zu oft überhört wird.
Warum Rückenschmerzen entstehen
Die Gründe sind bekannt – und werden seit Jahren rauf und runter diskutiert:
✔️ Fehlhaltungen
✔️ belastende Arbeitshaltungen (auch Sitzen!)
✔️ zu wenig ausgleichende Bewegung
✔️ fehlendes Krafttraining
All das begünstigt Verspannungen, Schmerzen und Spannungskopfschmerzen.
Warum klassische BGM-Maßnahmen oft nicht reichen
Viele Unternehmen haben diese Probleme erkannt und setzen auf Betriebliches Gesundheitsmanagement: Massagen, Yogastunden, Fitnessangebote oder den Obstkorb. Alles wertvolle Maßnahmen – jede hat ihre Berechtigung. Doch allein bewirken sie selten viel. Eine Massage entspannt kurz, verändert aber keine Gewohnheiten. Eine Yogastunde tut gut, gleicht aber kein tägliches Dauersitzen aus. Und Obst & Gemüse sind gesund – lösen aber keine Verspannungen.
Darum braucht es Ansätze, die gezielter und holistischer wirken: Methoden, die direkt an der Schmerzquelle ansetzen – und erst danach in die Prävention übergehen.
Sidefact: Was „holistic“ wirklich heißt
Viele verbinden den Begriff holistic oder ganzheitlich mit Esoterik oder alternativem Lifestyle. Dabei ist das gar nicht die eigentliche Bedeutung.
Holistic heißt schlicht: den Menschen in seiner Gesamtheit betrachten – Körper, Geist und Umfeld. Also nicht nur punktuelle Symptome, sondern Ursachen, Muster und Gewohnheiten. Leider wird der Begriff oft in einem „alternativen“ Kontext verwendet, wodurch der eigentliche Kern verloren geht.
Wir sind mehr als Muskeln und Knochen
Aus der jahrtausendealten Yogaphilosophie kennen wir die fünf Schichten des Seins:
- Körperliche Schicht – Muskeln, Knochen, Faszien
- Energetische Schicht – Atmung, Lebensenergie
- Mentale Schicht – Gedanken, Stress, innere Haltung
- Emotionale Schicht – Gefühle, die wir (oft unbewusst) im Körper speichern
- Spirituelle Schicht – das, was uns innerlich trägt und verbindet
Klingt nach Esoterik? Nicht wirklich. Die Forschung zeigt klar: Stress, unterdrückte Emotionen und mentale Belastungen beeinflussen direkt unsere Muskelspannung und unser Schmerzempfinden. Umgekehrt können Bewegung und Entspannung das Nervensystem regulieren – und Schmerzen sanft, aber effektiv reduzieren.
Zwei alltagstaugliche Übungen aus der Praxis
Das Gute: Schon kleine Impulse können dein System beruhigen und den Rücken entlasten. Hier zwei Übungen, die du sofort ausprobieren kannst:
Bewegungsübung: Rücken entlasten mit einem Handtuch
- Rolle ein Handtuch fest ein.
- Lege dich auf den Rücken und platziere die Rolle längs unter deiner Wirbelsäule (vom unteren Rücken bis zum Kopf).
- Arme seitlich ablegen, Handflächen nach oben.
- Becken sanft nach vorne (einatmen) und hinten (ausatmen) kippen. Die Beine sind angewinkelt oder ausgestreckt.
Die sanfte Öffnung im Brust- und Rückenbereich kann Verspannungen schnell lösen.
Ruheübung: Gegen deine Hände atmen
- Setz dich bequem hin. Eine Hand auf den Bauch (Höhe Magen), eine aufs Brustbein legen.
- Tief ein- und ausatmen, die Bewegung unter den Händen bewusst spüren.
- 5 Minuten reichen oft schon. Auch gut unter der Dusche möglich.
Diese einfache Übung beruhigt dein Nervensystem und reduziert unbewusste Anspannung.
Beide Techniken wirken schnell, brauchen weder Geräte noch viel Zeit – und lassen sich perfekt in den Alltag integrieren.
Fazit
Rückenschmerzen sind kein Schicksal, sondern ein Signal. Kurzfristige Maßnahmen wie Massagen oder eine einzelne Yogastunde können zwar Entlastung bringen, lösen aber nicht die Ursache.
Nachhaltige Veränderung entsteht erst, wenn wir Körper, Geist und Gewohnheiten als Ganzes betrachten – und genau dort ansetzen, wo der Schmerz entsteht.
So wird aus kurzfristiger Entspannung echte, langfristige Gesundheit – für Mitarbeitende und Unternehmen gleichermaßen.
Birgit Seiberl